Darf die Schweiz bald legale Glücksspiel-Webseiten aus dem Ausland sperren?

Die Schweizer Bundesregierung will beinhart durchgreifen: Mit den 2017 beschlossenen Netzsperren sollen ausländische Glücksspielbetreiber (und vielleicht in Folge auch noch andere?) einfach schnell mal weggesperrt werden können. Und das auf ganz legalem Weg. Die letztendliche Entscheidung liegt aber nun doch bei den Schweizerinnen und Schweizern: Mit 60.000 gesammelten Unterschriften wurde die notwendige Anzahl für eine Volksabstimmung erreicht.

Heimische Casinos am Drücker

Ins Rollen gebracht hat die ganze Geschichte das neue Schweizer Geldspielgesetz, das für Jubel bei den Schweizer Online-Casinos sorgte: Laut diesem Gesetz soll ausländischen Anbietern oder besser gesagt deren Schweizer Usern der Zugang „abgedreht“ werden können, eben durch Netzsperren. Nur die heimischen Casinos dürften demnach noch ihr Glücksspiel online anbieten. Viele Organisationen wie die Internet Society Schweiz und auch Parteien wie die Jungen Grünen haben sich aber erfolgreich mit der Unterschriftensammlung für das Referendum gegen die geplanten Netzsperren gewehrt.

Angriff auf die Freiheit des Internets und des Marktes

Die Netzsperren werden als Angriff auf die Freiheit des Internets interpretiert, weitere Sperren in Bezug auf andere Branchen etc. sind zu befürchten. Schließlich handelt es sich bei den betroffenen Seiten um ganz legale Webseiten. Nicht zu vergessen natürlich der wirtschaftliche Faktor: Inländische Casinos sind schon seit Jahren nicht ganz glücklich mit der erfolgreichen Konkurrenz aus dem Ausland. Was gäbe es also Schöneres, diese ganz einfach auszuschalten? Und wenn wir schon dabei sind: Es wäre doch schön für den Schweizer Buchhandel, wenn niemand mehr bei Amazon bestellen könnte; oder wenn die Schweizerinnen Zalando nicht mehr aufrufen können und sich bei Schweizer Läden einkleiden müssen … Klar, das sind jetzt nur heftige Zukunftsszenarien, aber wer weiß … Die Frage ist jedenfalls: Soll ein Staat dermaßen in die Wirtschaft bzw. Ökonomie eingreifen dürfen? Mit derart drastischen Mitteln?

Kann man gegen Netzsperren etwas unternehmen?

Gesetzt dem Fall, es käme tatsächlich zu Netzsperren und du könntest beispielsweise nicht mehr auf beliebte Seiten wie PokerStars oder partypoker gehen (es gibt hier eine eigene Sperrliste …) – dann ist aber noch nicht aller Tage Abend. Denn: Es gibt ja immer noch VPN! Mit einem Virtuellen Privaten Netzwerk kannst du über einen ausländischen Server auch auf gesperrte Webseiten zugreifen.

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