E-Voting in der Schweiz – ist die Zeit schon reif?

Die Wogen gehen hoch, wenn Expertenrunden mal zum Thema E-Voting diskutieren. Obwohl Du Deine Miete und Stromrechnung online bezahlst oder auch online Dein eigenes Unternehmen anmelden und gründen kannst, herrscht beim Stichwort E-Voting bei vielen große Skepsis. Wieso ist das so? Kann eine Online-Abstimmung oder Wahl aus Sicht der IT absolut sicher ablaufen? Kann manipuliert werden und ist es ein legitimes Gegenargument zu sagen, auch der analoge Weg zur Wahlurne kann manipuliert werden?

Wir haben dazu ein paar Meinungen und Informationen gesammelt die wir uns heute gemeinsam mit euch ansehen möchten. Übrigens freuen wir uns natürlich auch, wenn Du uns in den Kommentaren mitteilst, wie Du darüber denkst.

E-Votings sind die Zukunft, so die Befürworter

Die jüngste Generation unter uns ist von Display eigentlich kaum loszulösen. So wird die Jugend wahrgenommen und oft einfach unterstellt, sie beschäftigen sich nur mit Spielen oder Social-Media-Kanälen. Doch auch politische Themen, Nachrichten und Kulturelle Geschehnisse werden online konsumiert. Das wird sich nicht mehr ändern und die nächsten Generationen werden Ihre Informationen ebenfalls größtenteils online beziehen. Uns muss klar werden, dass die Gesellschaft einfach einem ständigen Wandel unterzogen ist, und die Jugendlichen von heute, morgen schon wahlberechtigt sind. Es ist hier sicher auch eine gewisse Erwartungshaltung, zukünftiger Generationen zu sehen, dass Abstimmungen und Wahlen zukünftig einfach online erfolgen können. Umfragen haben gezeigt, dass in der Gruppe der unter 30-Jährigen knapp 90% für E-Votings sind.

Die Gegner des E-Votings

Auch in Expertenkreisen ist die Meinung geteilt aber einigen aus der IT-Sicherheits- Branche gruselt es bei der Vorstellung von E-Votings. Sie argumentieren, dass es keine absolut sichere Methode gäbe, ein System bereitzustellen um seine Stimme anonymisiert und zeitgleich verifiziert abzugeben, das nicht manipuliert werden könne. Einer der lautstärksten Gegner zu diesem Thema ist Hernani Marques. Er arbeitet bei der PEP Foundation, eine Stiftung, die Verschlüsselungssoftware herstellt. Nebenbei ist er Vorstandsmitglied des Chaos Computer Club (CCC) Schweiz. Mangelnde Gewährleistung der Sicherheit bei der Stimmabgabe bereiten ihm die größten Sorgen.

Wie steht es aktuell um E-Voting in der Schweiz?

Was nicht alle wissen ist, dass bereits seit dem Jahr 2002 E-Votings in der Schweiz zum Einsatz kommen. In den Kantonen Genf, Neuenburg und Zürich starteten dabei die ersten Pilotversuche. Mittlerweile ist es in 8 Kantonen möglich seine Stimme online abzugeben. Vorbehalten sind die E-Votings bis auf einige Ausnahmen nur den Auslandsschweizern. Der Bundesrat möchte hier jedoch die Entwicklung vorantreiben.

Ermöglicht wird das durch zwei konkurrierende Systeme. Das eine direkt vom Kanton Genf entwickelt, das andere aus dem Hause der schweizerischen Post.

Sicherheit geht vor

Wie auch immer die Zukunft aussehen mag, Sicherheit hat hier absoluten Vorrang und das betont auch der Geschäftsführer der Swico  Jean-Marc Hensch mit der Aussage, es gelte „Sicherheit vor Tempo“. Manipulation ist natürlich auf allen Kanälen möglich, wenn man jedoch schon auf ein neues System umsteigt, dann sollte dieses natürlich mehr Vorteile bringen als das alte. Wer es ganz kritisch betrachtet könnte auch meinen, bei all den Informationen die man uns über Social-Media-Plattformen, E-Mails und Co. In den letzten 10 Jahren entlockt hat, wäre es ohnehin viel einfacher die Meinung der Wahlberechtigten zu manipulieren, als die Wahlen selbst.

Für uns gilt also weiterhin: Schütze Deine Privatsphäre so gut wie möglich, denn wie man sieht, dringt die Technologie in laufend neue und vor allem hochsensible Lebensbereiche ein.

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